Martin Luther und die „Türkenkriege“

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1517 war nicht nur das Jahr der Reformation, es war auch das Jahr in welchem sich das Osmanische Reich erneut als eine Gefahr für das Abendland, den Westen Europas erwies: Ägypten mit Jerusalem wurde von den Osmanen besetzt.

In den Resolutionen, den Erklärungen zu den 95 Thesen von 1518 bezeichnete Luther die Türken neben Krieg, Erdbeben, Feuersbrünsten und Räubereien als »Gottes Zuchtrute und Geißel«. Er warf den »Mächtigsten in der Kirche« vor, von nichts anderem zu träumen als von Kriegen gegen die Türken. Luther warnte: Dann würden sie nicht gegen die eigenen Missetaten und Sünden streiten, sondern gegen die Zuchtrute Gottes Krieg führen (kursiv gehaltene Abschnitte sind zitiert aus: Hanns Leiner: Die Zuchtrute Gottes, Luthers Theologie – Teil 27: Luther und die Auseinandersetzung mit dem Islam, Sonntagsblatt 18/2008).

Luther argumentiert – im Unterschied zu seinen Zeitgenossen, die nur politische und militärische Fragen sahen – streng theologisch: Er sieht in dem Vordringen der Türken eine Strafe Gottes. Das war nicht neu, wohl aber die Folgerungen, die Luther daraus zog, dass nämlich diese Strafe verdient ist und dass man deshalb kein Recht besitze, dagegen zu kämpfen. Man muss sie vielmehr ertragen und sich ändern und bessern. Luther versteht also die Türkengefahr hier als verdiente Strafe für eine ungehorsame Christenheit und als ernste Mahnung zu Buße, Umkehr und Besserung.

Luther argumentiert – im Unterschied zu seinen Zeitgenossen, die nur politische und militärische Fragen sahen – streng theologisch: Er sieht in dem Vordringen der Türken eine Strafe Gottes. Das war nicht neu, wohl aber die Folgerungen, die Luther daraus zog, dass nämlich diese Strafe verdient ist und dass man deshalb kein Recht besitze, dagegen zu kämpfen. Man muss sie vielmehr ertragen und sich ändern und bessern. Luther versteht also die Türkengefahr hier als verdiente Strafe für eine ungehorsame Christenheit und als ernste Mahnung zu Buße, Umkehr und Besserung.
Seine Gegner unterstellten ihm daraufhin, er habe den Christen verboten, sich am Türkenkrieg zu beteiligen. Damit wollten sie Luther seine Popularität rauben. Diese Behauptung taucht sogar unter den »Irrlehren« auf, die ihm die Bannandrohungsbulle von 1520 vorwarf. Luther versuchte in seiner Antwort darauf, das richtigzustellen: Er habe nicht den Türkenkrieg widerraten, sondern gefordert, »dass wir uns zuvor bessern und einen gnädigen Gott machen.«

Unter dem Eindruck des Vordringens der Türken gegen das Reich schrieb Luther eine Schrift unter dem Titel »Vom Krieg wider die Türken«, erschienen 1529. Luther bleibt darin seinem Ansatz treu und ruft die Pfarrer auf, die Gemeinden »zur Buße und zum Gebet zu vermahnen«. Das Gebet gegen die Bedrohung sieht er als notwendig und berechtigt, die Buße ist nötig, denn die Sünden der Christenheit stehen einem Sieg im Wege.

Erst viel später, offensichtlich nach weiteren Überlegungen meldet sich Luther wieder zu Wort, spricht:

„die Regierung an und fordert sie auf zu tun, was ihre Pflicht ist: nämlich ihre Untertanen zu verteidigen und zu schützen gegen das Unrecht, das die Türken ihnen antun wollen. Dabei macht Luther allerdings eine Einschränkung, die sich aus seiner »Zwei-Regimenten-Lehre« ergibt: Ein Kreuzzug ist dieser Verteidigungskrieg des Kaisers nicht und darf es nicht sein: »Deshalb soll man auch dies Aufreizen anstehen lassen, mit dem man den Kaiser und die Fürsten bisher zum Streit gegen die Türken aufgereizt hat: als das Haupt der Christenheit, als den Beschirmer der Kirche und Beschützer des Glaubens… Nicht so! Denn der Kaiser ist nicht das Haupt der Christenheit noch Beschützer des Evangeliums oder des Glaubens. Des Kaisers Schwert hat nichts mit dem Glauben zu schaffen, es gehört in leibliche, weltliche Sachen.«“

Von beiden Amtskirche wäre heute zu erwarten, dass sie sich an die „Zwei-Reiche-Lehre“ Luthers halten würden und nicht dem liberalen Zeitgeist hinterher hecheln würden.

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